|
Offener
Brief des Herrn Edward Termado an Seine Heiligkeit
Papst Benedikt XVI
Ich bin ein iranischer Christ, der zu Beginn des
Krieges zwischen Iran und Irak im Jahre 1981 Soldat
war. Ich wurde bei Saddam Husseins Angriff auf den
Iran verletzt und geriet in Gefangenschaft von Saddams
Armee.
Neun Jahre hielt ich in den Kriegsgefangenenlagern für
Iraner im Irak alle Schwierigkeiten und Strapazen aus.
Die Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes haben
das Lager während dieser Zeit regelmäßig besucht.
Ich war in der Zeit der Gefangenschaft in der Stadt
Ramadi in einem Kriegsgefangenenlager im Irak. Dort
hat der verstorbene Papst Johannes Paul II mir eine
Gunst erwiesen, und in seinem Auftrag besuchten mich
vier Vertreter der katholischen Kirche. Der Leiter
dieser Delegation war Seine Eminenz Kardinal Rogers.
Während der langen Gefangenschaft – allein in einem
Lager befanden sich 1300 Kriegsgefangene – begingen
einige aufgrund der schlechten Situation Selbstmord,
manches Mal durch Selbstverbrennung. Weitere litten
unter psychischen Problemen und jedes Mal, wenn sich
die Luftangriffe des Irak auf den Iran verstärkten
oder aber wenn die irakische Armee auf Saddams Befehl
hin die iranischen Städte mit Raketen beschoss,
erlitten wir einige Monate lang schwerste psychische
Probleme, bis wir von unseren Familien Post erhielten.
In diesem verheerenden Krieg haben beide Seiten große
Verluste erlitten und viele Kinder verloren ihre
Eltern, oder aber Väter und Mütter warteten
sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Kinder.
Wir alle wissen um die schlimmen Zerstörungen, die ein
Krieg mit sich bringt und Ihr, Eure Eminenz, kennt
sehr wohl die katastrophalen Auswirkungen eines
Krieges.
Mit diesen Erfahrungen bin ich der Meinung, dass der
Krieg und das Töten niemals zu Fortschritt und
Freiheit geführt haben, sondern nur zur Unterdrückung
demokratischer Kräfte und Befreiungsbewegungen
beigetragen haben.
Heute droht nun dem Iran ein noch zerstörerischer
Krieg, den das iranische Volk niemals will. Die
einzige Gruppe, die rücksichtslos die Kriegstrommel
rührt, ist die sektiererische Organisation der
Volksmudschaheddin (Iran).
Diese Organisation strebt nur nach der Macht und der
Regierung und hat auf diesem Weg keine unmenschliche
Aktion ausgelassen. Sie bedrohen sogar ihre Kritiker
in Europa und bezwecken mit ihren Drohungen, uns von
Kritik und Entlarvung abzubringen.
Unser Ziel ist es nur, unsere Landsleute zu
informieren, damit sie den falschen Weg, den wir
gegangen sind, nicht beschreiten.
Eure Eminenz:
Nachdem ich neun Jahre lang die Gefangenschaft im
Lager und die damit verbundene Trennung von der
Familie ausgehalten habe, kehrte ich dennoch nach Ende
des Krieges, beeinflusst von der hysterischen
Propaganda der Organisation der Volksmudschaheddin,
leider nicht in den Iran zurück, sondern schloss mich
mit dem Ziel der Befreiung des iranischen Volkes der
Befreiungsarmee der Volksmudschaheddin an, was
natürlich der größte Fehler meines Lebens war.
Seine Eminenz Kardinal Roger versuchte bei einem
persönlichen Treffen, meine Freilassung zu erwirken.
Ich aber, beeinflusst von der verlogenen Propaganda
der Organisation der Volksmudschaheddin, lehnte dies
ab.
Ich hatte bei meinem Eintritt in die Armee der
Volksmudschaheddin noch nie Kontakt zu ihnen gehabt
und kannte sie lediglich aus dem Fernsehen. Nach
einiger Zeit erkannte ich, dass ich im Grunde wieder
in Gefangenschaft einer Organisation gehalten wurde
und dass die Organisation alle möglichen Aktionen
durchführte, um an die Macht und an die Regierung zu
gelangen.
Beispielweise schreckten sie nicht davor zurück, den
Tod von Jugendlichen bei Auseinandersetzungen mit den
staatlichen Kräften zu provozieren, bis hin zur
Selbstverbrennung auf den Straßen Europas. Bei der
Ausführung von terroristischen Operationen im Iran hat
die Bevölkerung sehr großen Schaden erlitten. Die
Verbreitung von Gewalt in der Gesellschaft und die
Ausbeutung der unschuldigen Frauen und Männer, die
zurzeit im Irak, inmitten der durch den Krieg
entstandenen Folgen und Krisen, mithilfe von
Gehirnwäsche festgehalten werden, damit sie zur
gegebenen Zeit zur Selbstverbrennung auf den Straßen
Europas gezwungen werden und die Führer der
Organisation sich der Verantwortung entziehen können.
Unter drei iranischen Christen in der Armee der
Volksmudschaheddin befand sich Philip Jusefieh, der
von den Volksmudschaheddin durch Beeinflussung
gezwungen wurde, sich vom Christentum abzuwenden und
ihre Religion anzunehmen. Danach kommandierte man ihn
sofort zu einer Operation, von der er niemals
zurückkommen konnte.
Dahinter stand die Absicht, seiner, nachdem er getötet
war, als Christen zu gedenken, um bei der christlichen
Gemeinde Propaganda machen zu können und auch bei den
christlichen Behörden Bagdads einen Fuß in die Tür zu
bekommen.
Jedes Mal, wenn die Volksmudschaheddin mich zur Kirche
Bagdads beorderten, brachten die Kirchenleute Bagdads
ihren Abscheu gegenüber der Organisation der
Volksmudschaheddin zum Ausdruck und empfahlen mir,
mich möglichst den Krallen der Volksmudschaheddin zu
entziehen.
Eure Eminenz,
meine Befreiung aus der sektiererischen Organisation
dauerte deshalb so viele Jahre, weil für die
Volksmudschaheddin die Mitgliedschaft christlicher
Personen in ihrer Organisation eine sehr wichtige
Rolle spielte. Meine Trennung von der Organisation war
aus diesem Grunde mit vielen Schwierigkeiten
verbunden.
Erst als die Lage im Irak kritisch wurde, willigten
die Volksmudschaheddin zwangsläufig ein. Allerdings
verbrachten sie mich, anstatt mich freizulassen,
zunächst in ihre Untersuchungshaft.
Dort wurde ich vier Monate festgehalten und
anschließend schamlos den Sicherheitsbehörden des Irak
übergeben, damit ich in dem berüchtigten Gefängnis Abu
Gharib unter Druck der irakischen Sicherheitskräfte
Reue zeige und zu ihnen zurückkehre. Im Abu Gharib –
Gefängnis befanden sich viele Iraner, die ein
ähnliches Schicksal hatten und ständig durch das
Gefängnispersonal gefoltert und schikaniert wurden.
Unter diesen Gefangenen waren solche, die schon vor
Jahren durch die Organisation der Volksmudschaheddin
in dieses Gefängnis gesteckt wurden.
Eure Eminenz,
auch zurzeit befindet sich im Irak eine große Anzahl
von Menschen im Lager der Mudschaheddin, die quasi
Gefangene dieser Organisation sind. Einige von ihnen
wollen die Trennung von der Organisation und einen
Zugang zur freien Welt. Diese Menschen werden mit
leeren Versprechungen, unter schlechtesten Bedingungen
und mit Hilfe von Zwang und Gewalt festgehalten, damit
sie in einer eventuellen Situation, in der die
Anführer gefährdet sind und sie sich wie immer der
Verantwortung entziehen wollen, in die
Selbstverbrennung getrieben werden können.
Die Mudschaheddin als eine religiöse Sekte beschreiten
den Weg, den David Kyros gegangen ist, und dabei haben
sie Hunderte von unschuldigen Menschen in den Tod
gerissen.
Ich, ein Christ, der seine Jugend und die Hälfte
seines Lebens durch den Betrug der Anführer dieser
unmenschlichen Sekte verloren hat, bitte Euch, das
Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, auf jede
nur mögliche Art und Weise Euren Einfluss geltend zu
machen und für die Befreiung der Personen einzutreten,
bevor sie – infolge ständiger Gehirnwäsche durch die
Führung der Mudschaheddin beeinflusst – in der Lage
sind, auf den Straßen Europas ähnliche und weitere
schlimme Katastrophen auszulösen, wie die im Jahre
2003 erfolgten Selbstverbrennungen.
Wir sind diejenigen, die sich von der Organisation
losgesagt haben und für die Befreiung der schuldlosen
Menschen zu jeder Art von Zusammenarbeit mit jeder
humanitären Organisation bereit sind.
Ich wünsche Eurem von mir erstrebten Engagement viel
Erfolg und wäre Euch, wenn Ihr mir eine persönliche
Audienz gewähren könntet, außerordentlich verbunden
und dankbar.
Edward Termado
|